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Inhalt: Abgestufte Grünlandnutzung

Nicht jede Fläche muss alles leisten, aber jede Fläche braucht eine sinnvolle Aufgabe.

Grünland steht heute in zweifacher Hinsicht vor einem Zielkonflikt. Auf der einen Seite benötigen landwirtschaftliche Betriebe leistungsfähige Grünlandflächen zur Erzeugung hochwertigen Grundfutters. Auf der anderen Seite gilt es, artenreiche Wiesen und Weiden, Biotopgrünland, Bodenfunktionen sowie eine vielfältige Kulturlandschaft langfristig zu erhalten. Gleichzeitig werden in manchen Regionen schwer zu bewirtschaftende Flächen aufgegeben, während andere Standorte zunehmend intensiver genutzt werden. Die abgestufte Grünlandnutzung bietet hierfür einen geeigneten Lösungsansatz: Sie setzt nicht auf ein einheitliches Bewirtschaftungskonzept, sondern auf geeignete Nutzungsintensität und Nutzungspotenziale an den jeweiligen Standorten.

In Deutschland ist Grünland geografisch und naturräumlich sehr unterschiedlich verteilt und nutzbar. Die regional sehr unterschiedlichen Standortbedingungen erfordern daher angepasste Bewirtschaftung und Futterverwertung. Die abgestufte Grünlandnutzung verfolgt daher kein allgemeingültiges Konzept, sondern ermittelt, welche Nutzung für den jeweiligen Standort, den Betrieb und deren betriebliche Ziel am besten geeignet sind.

Bei der abgestuften Grünlandnutzung werden Flächen nach ihrer Funktion und ihrem Standort in vier Nutzungsstufen geordnet.

Leistungsfähige, gut befahrbare und arrondierte Flächen werden meist intensiv genutzt. Solche Flächen sind vor allem für Milchviehbetriebe wichtig, da sie hochwertiges Grundfutter für leistungsstarke Tiergruppen liefern.

Mittelintensiv genutzte Flächen sichern die Futterbasis und schaffen Flexibilität. Je nach Standort werden sie mit zwei bis vier Schnitten oder als Mähweide bewirtschaftet und liefern Futter für Jungvieh, Trockensteher oder weniger leistungsstarke Tiergruppen. Gleichzeitig erbringen sie ökologische Leistungen, die auf intensiv genutzten Grünlandflächen kaum möglich sind.

Extensives Grünland wird mit geringerer Nutzungsfrequenz bzw. Beweidungsintensität, späteren Schnittterminen und reduzierter Düngung bewirtschaftet. So können artenreichere Bestände erhalten oder entwickelt werden, ohne dass die Bereitstellung von Futter oder Weideleistung vollständig entfällt.

Biotopgrünland steht unter dem vorrangigen Ziel des Arten- und Lebensraumschutzes. Dazu gehören zum Beispiel artenreiche Wiesen, Feuchtgrünland, Magerrasen und Bergmähwiesen. Auch diese Flächen müssen bewirtschaftet werden, um ihren Wert zu erhalten. Mahd oder Beweidung müssen jedoch an Zielarten, Standort und Schutzstatus angepasst werden.

Der Klimawandel verstärkt die Notwendigkeit der Differenzierung.  

Eine abgestufte Nutzung verteilt die durch den Klimawandel entstehenden betrieblichen Risiken: Gute Flächen liefern Qualitätsfutter, mittelintensive und extensive Flächen erhöhen die Flexibilität und können in ertragsschwachen Jahren als Futterreserve dienen.

Unterschiedliche Futterqualitäten werden leistungsgerecht verfüttert.

Nicht jede Tiergruppe hat die gleichen Ansprüche an die Futterqualität. Hochleistende Milchkühe benötigen junges, energie- und eiweißreiches Grundfutter. Jungvieh, Trockensteher, Mutterkühe, Schafe, Pferde oder Extensivrinder können strukturreicheres Futter besser verwerten. Entscheidend ist, dass die Futterqualität zum jeweiligen Bedarf passt. 

Eine abgestufte Nutzung steigert die Nährstoffeffizienz. 

Wirtschaftsdünger wird gezielter auf Flächen eingesetzt, auf denen hohe Entzüge und hohe Futterqualitäten erzielt werden sollen. Empfindliche oder artenreiche Flächen werden bedarfsangepasst gedüngt, was Narbenstabilität, Bodenstruktur, Biodiversität und Gewässerschutz unterstützt. Wenn Flächen mit geringerem Ertragspotenzial eine klare Funktion erhalten, fallen sie zudem weniger leicht aus der Bewirtschaftung.

Die abgestufte Grünlandnutzung kombiniert intensive, mittelintensive und extensive Bewirtschaftungsformen zu einem standort- und betriebsangepassten Nutzungskonzept und bringt somit ökonomische und ökologische Ziele in Einklang.

Quellenangaben

BfN – Bundesamt für Naturschutz: Naturschutz in der Landwirtschaft – Grünland und biologische Vielfalt. Bonn: BfN. Online unter: https://www.bfn.de/naturschutz-der-landwirtschaft

Hartmann, L. J., Jaeger, A.-C., Metz, J. (2025): Review: Effects of mowing and grazing on plant diversity and vegetation composition in Central European semi-natural wet grasslands. Tuexenia 45, 155–183.

NABU – Naturschutzbund Deutschland (2022): Grünland stärken, Beweidung fördern – für Biodiversität, Klimaschutz und krisenfeste Landwirtschaft. Berlin: NABU. Online unter: https://www.nabu.de/imperia/md/content/221208-nabu-gruenlandposition.pdf

Thünen-Institut (2023): Bodenzustandserhebung Landwirtschaft (BZE-LW) – Humusgehalte und Kohlenstoffvorräte unter Acker- und Grünlandböden in Deutschland. Braunschweig: Johann Heinrich von Thünen-Institut. Online unter: https://www.thuenen.de/de/fachinstitute/agrarklimaschutz/projekte/bodenzustandserhebung-landwirtschaft-bze-lw

Umweltbundesamt (UBA) (2025): Grünlandumbruch. Dessau-Roßlau: UBA. Online unter: https://www.umweltbundesamt.de/daten/land-forstwirtschaft/gruenlandumbruch

Wirth, C., Bruelheide, H., Farwig, N., Marx, J. M., Settele, J. (Hrsg.) (2024): Faktencheck Artenvielfalt. Bestandsaufnahme und Perspektiven für den Erhalt der biologischen Vielfalt in Deutschland. München: oekom Verlag. https://doi.org/10.14512/9783987263361